1992 - 1999

Es ist ein Irrglaube anzunehmen,

ein Komponist würde Musik erschaffen.

Derweilen ist es die Musik selbst,

die sich demjenigen offenbart,

der sich ihr öffnet.

♫♪ Andrew Noah Cap  ♫♪

 

1992 stellt einen Wendepunkt im Schaffen Andrew Noah Caps dar. Angeregt durch zahlreiche Begegnungen mit fremdländischen Skalen fanden diese schnell einen Weg in seine Musik.

Andere Kulturen haben ein grundlegend anderes Verständnis von einem Wohlklang. Diesem liegen andere Gesetzmäßigkeiten zu Grunde.

Haben Jazz-Harmonien mit ihren mal schneidenden, mal schwebenden Klängen immer schon eine Rolle in seiner Musik gespielt,  gesellten sich alsbald Pentatonik, arabische Skalen, aber auch kirchentonale Funktion, bzw. die altgriechischen Wurzeln dazu. Bemerkenswert ist, dass er den melodiösen Aspekt dabei nie außer Acht lässt und die  verschiedenen tonalen Einflüsse mit Bedacht einsetzt.

„Ich scheue mich nicht, in meine modernen Kompositionen auch Melodien mit einfließen zu lassen.“, sagt er, ohne sich ein Schmunzeln verkneifen zu können.

„Ein Hauch von Zen“, Opus 123, für sinfonisches Blasorchester aus dem Jahre 1993 basiert auf reiner Pentatonik und „Palagio“, Opus 132, für Vibraphon und Kontrabass folgt einer mit westlicher Stimmung angedeuteten arabischen Tonleiter.

Es sind aber nicht nur andere Skalen, die Cap zu Experimenten heranzieht. Auch seine afrikanischen Wurzeln beginnen, sich mit ihren vielschichtigen Rhythmen in sein Bewusstsein zu drängen.  Bettet er die Verschiedenheit der einzelnen Rhythmus-Layer in „Crawnberries“, Opus 150, für Streich-Quintett zum Wohle der Melodielinien noch gut kaschiert in die einzelnen Stimmen ein, kommen diese mit dem Werk „De Trekkers“, Opus 191, für sinfonisches Blasorchester vollends zum Vorschein. Dienten typisch südafrikanische Rhythmen in „Transvaal“, Opus 135, lediglich als Teppich für weit gespannte Klanggemälde, durchziehen sie in „De Trekkers“ alle Register und steigern das Werk zu einer wahren Ekstase.