1982 - 1992

„Ich komme weiter“, sagte Lao Tse.

„Wie das?“, fragte dieser.

♫♪ Lao Tse  ♫♪

 

Die frühen Werke Andrew Noah Caps sind geprägt von der Umsetzung des Erlernten und dessen Festigung. Während viele seiner Musikkollegen schnell gesetzte Grenzen verworfen hatten und Machbares empirisch ermittelten, war es eine ganz gezielte Frage, der er nachging und in den ersten Werken ergründete.

„Regeln kommen nicht von ungefähr. Warum also gibt es sie?“

Natürlich kann man dies mittels einschlägiger Literatur schnell in Erfahrung bringen. Wichtig war ihm vielmehr das eigene Erleben, das eigene Aufstellen und Bestätigen dieser Regeln und Gesetzmäßigkeiten.

Die Klavier-Fantasie „Lost“, Opus 20, spielt mit genau diesen Gegensätzen, -  einerseits die Dur-/moll-tonale Gesetzmäßigkeit der Stimmführung, andererseits die Leichtigkeit und Unbeschwertheit offener Klanggestaltung.  Diese direkte Gegenüberstellung erzeugt bewusst emotionale Aspekte, die sich im weiteren Verlauf seines Schaffens immer stärker ausprägen.

„Für mich ist Musik stets eine emotionale Angelegenheit. Alles, was ich tue dient nur dem Transport von Gefühlseindrücken. Man strebt immer einen Wohlklang an, in dem man sich geborgen fühlt, zu dem man immer wieder zurückkehrt. Aber bizarre, kaum deutbare Klänge können so viele verschiedene Emotionen auslösen, wenn man denn bereit ist, ihnen zu folgen.“, sagt Cap und unterstreicht mit seinem Gesichtsausdruck, wie wichtig ihm dieses Anliegen ist.

Ein gutes Beispiel ist „Green Dessert“, Opus 86, für sinfonisches Blasorchester aus dem Jahre 1988. Hier wechseln sich wohlwollend auskomponierte Passagen mit starker Verdichtung, offenen Quintlagen, Unisono-Linien und auch wogenden Klangcollagen ab. Aber so experimentierfreudig er zu diesem Zeitpunkt bereits war, er verließ nie das tonale Gefüge.