A City's Inspiration

Opus 349, 2014

Pflichtstück beim Wertungsspiel des Deutschen Musikfestes in Chemnitz, 2013.

 

 

 

 

 

 

 

Ein Erklärungsversuch…

… unter Zurhilfenahme einer für Komponisten eher untypischen, der breiten Bevölkerung dieses Landes jedoch frei zugänglichen Aufzeichnungsform: Der Schrift.

Das Stück in seiner vorliegenden Form entstand in gerade einmal eineinhalb Stunden bei einer Tasse Cappuccino in der Fußgängerzone in Bonn. Der authographe Bogen weißt 6 bis 8 Systeme auf, in denen bereits alle Melodielinien und Instrumentierungen sowie die Akkordfolgen und folgende Anmerkungen des Komponisten höchst selbst enthalten sind:

Oben rechts mit einer Neigung von 17 Grad:

Tuba d'amore Kadenz beim Setzen in den Sessel,

Oben links in Druckbuchstaben:

Sabine hat angerufen, sie will ein Kind von Dir, vor Zusage Runen befragen, aber zuerst einkaufen.

Mittig neben einem Kaffeefleck:

2 Takte "John Maynard" mit der Bemerkung "oh, falsches Blatt"

Nun aber zum Werk an sich.

Das Leben als solches, in all seiner Pracht und unsagbaren Vielfalt, kann an Komik kaum, wenn gar nicht, übertroffen werden, und kaum ein Ort kann darüber besser Aufschluss geben, als eine belebte Fußgängerzone es vermag, wenn ein jeder, wie es dem aufmerksamen Betrachter nur schwerlich entgehen kann, in der Anonymität der in kollektiver Zusammenarbeit entstandenen Menge, seine ureigenen Vorhaben, die an individueller Wichtigkeit kaum zu übertreffen sind, verfolgend, eintaucht.

Ausgerechnet an einem sonnigen Samstagvormittag, an dem ein zur Gänze unschuldiger Komponist vom Vorhaben getrieben, einen Cappuccino zu trinken, sich seinen Weg durch die Bonner Innenstadt bahnt, versammeln sich Schnell- und Langsamgeher an eben diesem Ort, um ein Kräftemessen der wahrlich absonderlichen Art zu veranstalten.

Wenn man sich nun also an einem sonnigen Samstagvormittag seinen Weg bahnt durch ein Gewusel der Kuriositäten, vorbei an allerlei Attraktionen, die einen wohlwollend vom rechten Wege abzubringen gedenken, mit einem Lächeln auf den Lippen und einer steten Melodie im Herzen, kann auch eine gut statuierte Dame mittleren Alters, die unter Zuhilfenahme einiger Duzend Einkaufstüten eine Rolltreppe verstopft oder die verkleideten humanoiden Täuschkörper in den Schaufenstern renommierter Warenhäuser nur schwerlich beeindrucken.

Denn wenn erst einmal das ersehnte koffeinhaltige, mit Milchschaum angereicherte Heißgetränk sich in all seiner Herrlichkeit offenbart, man sich langsam, getragen von einer Tuba d’amore in den Sessel eines Straßencafés niederlässt, weiß man, das ist der Puls einer Stadt, das ist Inspiration pur.

Die stetig wachsende Verfügbarkeit von Fußgängerzonen lädt zum Selbstversuch ein.

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